WIR GESTALTEN UNSERE GEMEINDE
Im "Pfarrkonzil" auf Profilsuche

-aus _thema_kirche 5/2001-
Wie reagiert eine Pfarre auf neue Herausforderungen? Wie geht sie mit ihren Ressourcen, Stärken und Problemen um? Wohin führt der gemeinsame Weg als Pfarre und wie kann das Miteinander noch besser gelingen? In einem einwöchigen "Pfarrkonzil" suchte die Wiener Pfarre St. Thekla Antworten auf diese Fragen.

A m Beginn stand die Idee, möglichst vielen Gemeindemitgliedern die Möglichkeit zu geben, sich an einem Gespräch über die Pfarre und das Pfarrleben zu beteiligen.
     Renate Eibler, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarre St. Thekla in Wien 4, erzählt:'Es war uns wichtig, dass das nicht ein Klüngel ist von ein paar Aktiven der Pfarre, die das unter sich auskochen. Alle sollten zu Wort kommen, auch die kritischen Stimmen, auch Menschen, die sonst weniger gehört werden. Denn eigentlich betrifft es ja die ganze Gemeinde, wie es mit unserer Pfarre weitergeht.'
     Der Begriff "Pfarrkonzil" rief anfänglich auch Bedenken hervor. Renate Eibler hofft, dass diese inzwischen durch Erklärung und Darlegung der Idee ausgeräumt wurden: Sich versammeln, um gemeinsam nachzudenken, heißt die Devise.
     Christian Romanek, der Initiator des Projektes, präzisiert:"Gerade den Begriff 'Konzil' verstehe ich als Signal für die Wichtigkeit der Veranstaltung. Es ist wesentlich, dass sich die Menschen in der Gemeinde einmal miteinander Gedanken machen, dass nicht immer alles so bleiben kann, wie es ist. Dass es in den nächsten Jahrzehnten zu Situationen kommen muss, die wiederum ein eigenes Gemeindemodell brauchen."
     Die Pfarre wird von den Piaristen betreut, einem Orden, der mit Nachwuchsproblemen kämpft. Eine Tatsache, die bei vielen, vor allem jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Fragen nach der Zukunft der Pfarre aufwirft. Aus diesen Überlegungen entstanden Arbeitsgruppen, die sich mit den verschiedenen Gemeindebildern, der Rolle von Priestern und Laien in der Gemeinde und der Eucharistiefeier als Mitte des Gemeindelebens auseinander setzten.


Volle Unterstützung


     Das "Pfarrkonzil" hatte die volle Unterstützung von Pfarrer P. Pius Platz SP: " Das sind ganz tolle Leute, die sich hier engagieren und ihre Ideen einbringen. Ziel ist es, sich wieder auf das Wesentliche unseres Glaubens zu besinnen. Die Situation der Kirche heute ist geprägt von einer deutlichen Asymetrie zwischen aktiven und inaktiven Mitgliedern in der Pfarrgemeinde. Die Tendenz ist so, dass die Mitgliedschaft der inaktiven Christen in der Pfarrseelsorge zum Normalfall wird, wenn wir auch mit Freude festhalten dürfen, dass es so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt wie noch nie, die vielfältige Aufgaben übernehmen und Seelsorge ausüben!"
     Zu Beginn stand die Reflexion des Ist-Zustandes der Pfarre. Für Romanek war die Auseinandersetzung mit Gemeinde und dem, was sie jedem/r bedeutet, ein guter Einstieg. "Welche Beziehung habe ich zu Kirche? Das setzt einen Bewusst-werdungs-Prozess in Gang. Die Kirche ist kein Museum und kein Supermarkt, wo sich jeder einfach nach Belieben bedienen kann", spricht aus ihm die Überzeugung einen engagierten Christen.
     Bei einer Plakat-Aktion, mit der sich die einzelnen Gruppen nach dem Eröffnungsgottesdienst vor der Kirche vorstellten, bekam der Betrachter einen guten Eindruck über die Lebendigkeit und Vielfältigkeit der Gemeinde. Zugleich signalisierte diese Aktion eine Öffnung nach außen, vor die Kirchen- und Pfarrhoftüren. Im Gespräch mit der Studentin Babsi Maly, einer der Jugschar-Verantwortlichen, bestätigt sich der Eindruck, dass in der Pfarre eine lebendige "Jugendszene" existiert. Sie erhofft sich vom "Pfarrkonzil" eine grundlegende Verbesserung der internen Kommunikation in der Pfarre. "Das Arbeiten und Diskutieren der einzelnen Gruppen kann einen gemeinsamen Prozess in Gang setzen und Anregungen für neue Projekte schaffen", ist sie überzeugt.
     Angedacht wurde auch ein Projekt für Nachbarschaftshilfe. "Wir müssen hier ein Modell entwickeln, das mit unserer Pfarrstruktur kompatibel ist, weil wir ja nur ehrenamtliche Mitarbeiter haben", erklärt Renate Eibler. Bei einer Umfarge wurde erhoben, dass viele, die die Gottesdienste mitfeiern, nicht aus dem offiziellen Pfarrgebiet stammen. "Die Pfarre St. Thekla sucht man sich aus" -so lassen sich die Aussagen einiger Pfarrmitglieder auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Viele junge Familien fühlen sich hier beheimatet, die Kinder kommen gerne her. Als wichtiger Beitrag dazu wird der gut gestaltete Kinderwortgottesdienst gesehen, der zweimal im Monat in der geräumigen Nebenkapelle gefeiert wird.
     Brigitte und Haiko Grüner "entdeckten" die Pfarre, als sich ihre Tochter Barbara auf die Erstkommunion vorbereitete. "Wir wollten eine Pfarre finden, in der wir das Gefühl haben, unsere Tochter würde so auf dieses Fest vorbereitet, dass sie davon "profitiert", führt Brigitte Grüner aus.
     Die nette Art der Einladung und die große Offenheit der Pfarre beeindruckten sie. Einige Veranstaltungen des "Pfarrkonzils" sind schon im Kalender notiert. "Es ist sinnvoll, sich über die Probleme, über den Zustand der Pfarre bewusst zu werden. So können aus Gefühlen, aus Ideen, die vielleicht ganz vage im Hinterkopf sind, konkrete Worte, Bilder, vielleicht auch Taten werden. Es scheint mir wichtig, die einzelnen Ideen, die in den verschiedenen Gruppen vorhanden sind, zusammenzuführen", sagt Haiko Grüner.


Dinge beim Namen nennen


     Bei der abschließenden Präsentation der Erbgebnisse unter reger Beteiligung zeigte sich, dass manche Unklarheiten beseitigt, vieles natürlich nur angerissen werden konnte. Durch die gute Mischung von Theorie und Praxis haben sich etwa 130 Personen durch das "Pfarrkonzil" angesprochen gefühlt und daran mitgearbeitet. Als ganz wichtig erwies sich die Optimierung der internen Kommunikation. Eine Erkenntnis war, dass man durch das "Konzil" Außenstehende nicht direkt ansprechen oder einbinden konnte. "Die Diskussion geht weiter", zeigt sich Romanek mit dem begonnenen Gespächsprozess zufrieden. Oder wie P.Pius formuliert: " Ein immer auf Veständnis und Versöhnung gesprochenes Wort hat die Kraft, die Dinge beim Namen zu nennen, ohne dass dabei die Liebe und die Einheit verletzt werden."

Andrea Mensdorff-Pouilly