PIARISTEN-VOLKSSCHULE ST.THEKLA (1040 Wien)

Mi 20.9.17

DIE PIARISTEN IM ERDBEBENLAND MEXIKO





P.Emmanuel Suárez S P, P.Provinzial der Mexikanischen Piaristen
berichtet über den Erdbeben vom 19.9.2017


Danke allen, die die Nachrichten über unseren Orden und die Ereignisse in Mexiko verfolgen. Unsere Ordensleute, Laien-Piaristen, Mitarbeiter, Studenten, Gemeindemitglieder und Eltern sind im Prinzip wohlauf. Offenbar wird es auch bei Verwandten und engeren und weiteren Nachbarn so sein. Bis jetzt sieht man einige Schäden an unseren Gebäuden, eine tragende Mauer im Pränoviziat, die untersucht werden muss, Schäden an Gemeinschaftsräumen, die ebenfalls untersucht werden müssen, die Kollegien anscheinend mit geringeren Schäden, zerbrochene Fenster…die am schwersten beschädigten Kirchen in Pueblo, in Oaxaca muss man aufpassen, weil beim Beben vom 7. September Risse in der Kirche entstanden sind.

Das ist eine erste Diagnose nach Berichten aus allen Gemeinden, soweit das trotz Ausfällen bei Strom, Mobilfunk und Festnetztelefon möglich war. In Campeche und Celaya war das Erdbeben nicht zu spüren. Gestern und heute war der Betrieb in allen unseren Kollegien, ausgenommen Campeche, eingestellt.

Die Lage im Land allgemein ist sicherlich aus den Nachrichten bekannt. Am stärksten betroffen sind die Bundesstaaten Puebla, Morelos und Mexico City. Das Epizentrum des Erdbebens lag im Grenzgebiet von Puebla und Morelos, 120 km von Mexiko-Stadt entfernt. Deshalb waren die Auswirkungen schrecklich.

Ich dachte, alles würde zusammenstürzen. Der Bebenalarm kam erst, als wir schon vom Beben heimgesucht waren, vielleicht wegen der Nähe des Epizentrums. Zufällig war gestern der 32. Jahrestag des Erdbebens von 1985 in Mexiko. Morgens um 8.19 Uhr, wie jedes Jahr, gab es Akte des Gedenkens an die Opfer in Erinnerung an die Solidarität des Volkes. An diesem Tag erwachte für viele Menschen die mexikanische Zivilgesellschaft. Um elf Uhr morgens, wie jedes Jahr, ertönten die Sirenen und es gab auch auf nationaler Ebene oder zumindest im Zentrum des Landes eine Probe-Übung. Das hat uns Schritt für Schritt geholfen, ohne Panik zu reagieren. Wie weit waren wir davon entfernt zu denken, dass wir zwei Stunden und vierzehn Minuten später etwas gleich Schreckliches erleben würden, jetzt ohne Probe-Alarm.....

Die Bilder, die man zu sehen bekommt sind schockierend: Schmerz, Traurigkeit, Verwirrung..., Situationen des Schmerzes von Menschen, die immer noch im Schutt gefangen sind und von Menschen -- Freiwilligen, Soldaten, Polizisten, Rettungsmannschaften...-- die versuchen, sie aus den Trümmern von mindestens 45 Gebäuden zu bergen, einer Schule mit Kindern und Lehrern in Mexiko-Stadt. Viele Menschen haben überhaupt nicht geschlafen, einige versuchten zu helfen, andere beseitigten Trümmer, einige mehr aus Angst, ihre Häuser zu betreten, weil sie ein schlechtes Gefühl haben und es schwierig ist, die Schäden im Moment einzuschätzen. Alles dreht sich um Hilfe, Suche und Rettung der Vermissten. Viel Schmerz. Viel Solidarität, anonyme Helden, Anrainer, die sich selbst organisieren, um Wasser, Nahrung und lebenswichtige Medikamente zu bringen. Studenten aus der UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) wurden von der Universität organisiert und helfen seit 22 Uhr. Um fünf Uhr morgens sind andere bereit, sie abzulösen, überall in der Stadt sind Krankenwagen, Gesten der Menschlichkeit und leider auch Plünderung – nicht viel, aber es gibt doch solche, die selbst in solcher Situation es nicht schaffen, ihr besseres Ich hervorzubringen… Es war eine schwere Nacht in Mexico City. Die nächsten Tage werden schwierig sein. Im Namen Gottes und mit dem Glauben werden wir trotz der Wunden wieder auferstehen und hoffen, dass wir dadurch für ein menschlicheres Land kämpfen werden.


(TExt auf Spanisch in www.scolopi.org.)